Skip to content

Aufzug für den Kirchheimer Bahnhof zumindest auf dem Papier möglich

Von Barrierefreiheit ist der Kirchheimer Bahnhof weit entfernt. Und das ist wörtlich zu nehmen: Wer ohne Treppe das hintere Gleis erreichen möchte, muss einen Umweg in Kauf nehmen. Hier könnte ein Aufzug Abhilfe schaffen. Technisch möglich wäre das, wie eine Machbarkeitsstudie ergeben hat. Nur: Wann er gebaut wird – und in wessen Auftrag –, ist noch genauso unklar wie die Finanzierung.

Kirchheim. Die Enttäuschung war groß in Kirchheim, als 2019 bekannt wurde, dass es der örtliche und von vielen Pendlern genutzte Bahnhof nicht ins Modernisierungsprogramm der Deutschen Bahn geschafft hat. Ähnlich faithful die Reaktion in Besigheim aus. Beide Bahnhöfe sind nicht barrierefrei, und die Kommunen hatten sich erhofft, durch das Programm Abhilfe schaffen zu können. Doch einzig Walheim hatte den Zuschlag erhalten.

Hoffnung auf Förderprogramm

Der Kirchheimer Gemeinderat ist allerdings nicht untätig geblieben und beauftragte vor gut zwei Jahren eine Machbarkeitsstudie. Hintergrund war, dass die Chance besteht, ins Programm zur „beschleunigten Herstellung der Barrierefreiheit kleiner Schienenverkehrsstationen“ mit 1000 bis 4000 Reisenden pro Tag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur aufgenommen zu werden. Und dafür ist zunächst eine Studie nötig. Die detaillierte Untersuchung der DB Engineering & Consulting GmbH – also des internationalen Ingenieur- und Beratungsunternehmens der Deutschen Bahn – ist zwar seit Ende 2021 fertig, und ihre Ergebnisse sind teils in städtebauliche Planungen eingeflossen. Aber sie wurde noch nicht im Gemeinderat besprochen. Das wurde am Donnerstagabend nachgeholt.

Bahnsteighöhen müssen angepasst werden

Sebastian Radtke von der DB Engineering & Consulting GmbH erklärte, dass es beim barrierefreien Ausbau auch darum gehe, die Bahnsteighöhen anzupassen – sie müssten in Kirchheim 20 bis 40 Zentimeter erhöht werden. Sowohl der Bahnsteig 1 (auf der Neckar-Seite) als auch Bahnsteig 2 (am Bahnhofsgebäude) könnten auf einer Länge von 220 Metern neu errichtet werden. Während sich beim hinteren Steig an der Lage nichts ändere, könnte der vordere Steig etwas weiter in den Süden oder weiter nördlich verlegt werden. Diesen Vorschlag – die südliche Verschiebung – hatte die Kommune bereits bei der geplanten Umgestaltung des Bahnhofsareals berücksichtigt.

Größter Knackpunkt in Sachen Barrierefreiheit ist in Kirchheim aber die Unterführung zum Gleis. Nur über eine Treppe gelangen Reisende direkt zum hinteren Gleis. Wer sie nicht nehmen kann, muss einen Umweg in Kauf nehmen. Das Ingenieurbüro hat zwei Möglichkeiten geprüft: Rampe und Aufzug. Erstere empfahl Radtke nicht. Da sie nicht zu steil sein dürfte, müsste sie knapp 100 Meter lang werden. Die Unterführung müsste teils zurückgebaut werden, es wäre ein „sehr großer Eingriff“ nötig. Ein Aufzug – mit einem Kabinen-Innenmaß von 2.10 x 1.10 Meter – sei hingegen möglich. „Der ist klar zu bevorzugen.“ Allerdings müsste dann die Kinderwagenrampe an der Unterführung zurückgebaut werden. Die Treppe habe nicht mehr die derzeit gültige Mindestbreite. Radtke: „Ein barrierefreier Umbau zählt als Neubau. Das heißt, dass aktuelle Anforderungen umgesetzt werden müssen.“ Die Treppe sei zu schmal für eine Kinderwagenrampe.

Aufzug scheint die beste Lösung

Immanuel Schmutz (Unabhängige) sprach die häufig defekten Aufzüge in Bahnhöfen an: „Der Vorteil einer Rampe ist, dass sie auch bei Stromausfällen funktioniert.“ Fraktionskollegin Inge Schemminger hatte ein komisches Gefühl bei den Aufzügen – ob die auch immer funktionierten? Jürgen Schick, der die Kommune ehrenamtlich bei Barrierefreiheit berät, fragte, ob nicht eine Überführung möglich sei. Wie etwa beim Bahnhof in Bietigheim. Radtke erwiderte, dass das theoretisch möglich sei, er gab aber den Höhenunterschied von sieben Metern zu bedenken – auch hier wäre eine lange Rampe nötig. Bürgermeister Uwe Seibold vermutete, dass eine Überführung sehr aufwendig wäre. Stephan Hennig (WGK) meinte, das Unterführungsproblem sei seiner Meinung nach nur durch einen Aufzug lösbar. Auch Schmutz bekannte, dass ein Aufzug vielleicht doch die bessere Lösung sei.

Bahn hat derzeit kein Interesse, etwas zu ändern

Doch: Bezahlt Kirchheim den auf rund vier Millionen Euro kalkulierten Ausbau (Aufzug und Bahnsteige) selbst und alles bleibt trotzdem Eigentum der Bahn?, wollte Tobias Vogt (CDU) wissen. Und wer sei für die Wartung eines Aufzugs zuständig? Das waren alles Fragen, auf die Radtke keine Antworten hatte. Denn sein Unternehmen de el, die DB Engineering & Consulting, mache nur die Planung und sei nicht Betreiber des Bahnhofs. Diese Planungsvereinbarungen müssten mit anderer Stelle des Konzerns verhandelt werden. Grundsätzlich sei das Ergebnis der Machbarkeitsstudie nur eine Empfehlung. Wann ein Ausbau starten könnte, hängt laut Sebastian Radtke von Kirchheim ab: „Seitens der Bahn gibt es erst mal kein Bestreben, an dem Haltepunkt etwas zu tun.“

Die Kommune wird mit der Bahn als Eigentümerin abklären, wie sie zu den einzelnen Ausbauplänen steht. Auch davon ist abhängig, ob Kirchheim den Antrag für das Förderprogramm des Bundesministeriums stellt. Wird sie aufgenommen, gibt es laut Seibold eine 90-prozentige Förderung – „aber zehn Prozent bleiben auf jeden Fall bei uns hängen“. Mit einem Ausbau ist so oder so erst in einigen Jahren zu rechnen.

Leave a Reply

Your email address will not be published.