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Commerzbank verliert Deutsche Bahn als Co-Branding-Kunden

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Die Commerzbank und die Deutsche Bahn arbeiten nicht länger bei der Ausgabe von Kreditkarten zusammen. Die Kooperation werde “in beiderseitigem Einvernehmen” beendet, heißt es lapidar auf der Internetseite der Bahn. Bereits im September sollen alle Inhaber von BahnCard-Kreditkarten und BahnBonus-Kreditkarten von der Commerzbank die Kündigung erhalten. Allerdings will sich die Bahn für den Second keinen anderen Co-Branding-Companion suchen – sondern die Kreditkarten-Angebote womöglich sogar ganz einstellen. “Eine Kooperation mit einer anderen Financial institution ist erst einmal nicht geplant”, erklärte das Unternehmen by way of Twitter. Ein Commerzbank-Sprecher erklärte das Ende der Zusammenarbeit gegenüber Finanz-Szene mit “geschäftspolitischen Gründen”.

Die Co-Branding-Kooperation zwischen der Deutschen Bahn und der Commerzbank bestand seit 2009. Inhaber einer BahnCard mit Kreditkartenfunktion bekamen, wenn sie die Karte im Alltag einsetzen, Punkte für das Kundenprogramm “BahnBonus” gutgeschrieben. Angeboten wurde die Kreditkarte in einer klassischen Variante sowie in einer sogenannten “Platin”-Model, die zusätzliche Bonifikationen und Versicherungsleistungen für den Reisealltag enthielt.

Banken profitieren immer seltener

Das Ende der Kooperation ist ein weiteres Indiz dafür, dass das einst wachstumsstarke Co-Branding bei Kreditkarten vor massiven Herausforderungen steht – und sich für die Banken als Issuing-Companion immer seltener rechnet. Branchenexperten zufolge lohnt das Geschäft nur noch bei sehr großen Skaleneffekten, nicht aber als Nischenprodukt, wie etwa die Kreditkarten der Bahn es waren. Wie viele Kunden von dem Aus betroffen sind, wollten auf Anfrage weder die Deutschen Bahn noch die Commerzbank sagen. Das Portal “kreditkarte.web” schätzte den Co-Branding-Markt zuletzt auf rund 6.1 Mio. Kreditkarten und mithin ein knappes Fünftel des gesamten deutschen Kreditkartenmarkts.

Zuletzt kamen allerdings drei Dinge zusammen:

  • Kappung der Interchange-Gebühr: Diese Kappung im Jahr 2015 auf 0.3% bei der Zahlung mit privaten Kreditkarten hat die Möglichkeiten der Co-Branding-Companion deutlich beschnitten, Gratifikationen für den Einsatz zu zahlen. Auch bei der Bahn-Kreditkarte der Commerzbank zehntelte sich vor drei Jahren die Gutschrift beim Karteneinsatz von 1 BahnBonus-Punkt professional Euro Kartenumsatz auf 0,1 Punkte. Das machte die Karten unattraktiver im Einsatz.
  • Ende des Kreditkarten-Wachstums: Kreditkarten insgesamt sind in Deutschland plötzlich kein Wachstumsmarkt mehr – die Zahl der hierzulande ausgegebenen Karten sank im vergangenen Jahr um 2,1 Mio. auf nur noch 38.4 Mio. Stück (siehe hier), weil viele Banken verstärkt auf Debitkarten setzen und der Markt sich offenbar seiner Ausschöpfung nähert. Das fördert “Verteilungskämpfe” …
  • Erstarken der Companion: … mit der Folge, dass die kundenstarken Unternehmen immer härter mit den Co-Branding-Partnern auf der Bankenseite verhandeln können – schließlich sind sie es ja auch, die den eigentlichen Issuern die Kunden zuführen. Eine Konsequenz: Die Landesbank Berlin – über Jahre mit zuletzt 2.8 Mio. Karten Marktführer aufgrund von Co-Branding-Kreditkartendeals mit Amazon und dem ADAC – entschied 2021, das komplette Geschäft aufgrund immer geringerer Gewinnbeiträge abzuwickeln (siehe hier). Seit einem Jahr laufen nun schon die bislang noch ergebnislosen Verhandlungen über einen Nachfolger der LBB als Co-Branding-Companion von ADAC und Amazon, die zusammen zuletzt 2,5 Mio. Karten führten.

Nennenswerte Akteure im Geschäft mit Co-Branding-Kreditkarten sind nach dem Ausstieg der LBB noch die DKB (zu ihren Partnern zählen unter anderem die Lufthansa und BMW) und die BW-Financial institution (Mercedes Card). Payback kooperiert mit American Categorical. Ambitionen auf Wachstum werden insbesondere der Hanseatic Financial institution nachgesagt (bislang: “Deutschland-Kreditkarte” und der Auto Membership Europa), Barclays (bislang: Eurowings) sowie – als neuem Akteur – der Solarisbank.

Die Commerzbank hingegen hat dem Vernehmen nach schon vor längerer Zeit das strategische Interesse am Co-Branding verren. Als Companion verbleiben ihr nach dem Ende der Bahn-Kooperation noch TUI und Tchibo. Wie viele Karten genau vom Ende der Kooperation mit der Bahn betroffen sind, wollte ein Commerzbank-Sprecher nicht sagen. Darüber habe man Stillschweigen vereinbart.

Wie ernst man in der Commerzbank das Geschäft nimmt, zeigt das Login-Frontend für die Kreditkartenkunden von Tchibo oder der Bahn: Es weist seit nunmehr zweieinhalb Jahren unverändert per Banner auf die “Änderungen der Kartenbedingungen ab dem 19.4.2020” hin.

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