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Gegen Sexismus: der Männerbeauftragte der Stadt Nürnberg

“Frauen brauchen keine Beschützer, sie brauchen Respekt.”, “Null Toleranz für sexuelle Belästigung. Ich misch’ mich ein!” oder “Schluss mit Ausreden! Gewalt ist kein Versehen.” So lauten die Sprüche auf den Plakaten, die gerade in ganz Nürnberg zu sehen sind und als Postkarten in Kneipen ausliegen. Männer sind dort zu sehen, die selbstbewusst in die Kamera schauen – jung und alt, mit Migrationshintergrund und ohne, manche lässig, manche im Anzug.

Kampagne gegen Gewalt und Sexismus

Nun sollen sie Nürnbergs Männer zum Nachdenken bringen – es geht um die Themen Sexismus, Frauenfeindlichkeit und Gewalt. Die Kampagne lief schon in mehreren anderen deutschen Städten.

“Es geht darum, dass sich Männer positionieren müssen zum Thema Gewalt – gerade zum Thema häusliche Gewalt. Das haben wir gerade nach Corona gemerkt. Es ist oft so, dass ein großes Schweigen herrscht. damit einverstanden”. Sie sagen das aber nicht.” Matthias Becker, Ansprechpartner für Männer, Gleichstellungsstelle Stadt Nürnberg

Die Kampagne läuft im November im Rahmen der “Nürnberger Männerwochen”. Mit dieser Aktion möchte Matthias Becker möglichst viele Menschen aus der Area ansprechen und sensibilisieren.

Männerbeauftrage: nur eine Handvoll Stellen in Deutschland

Der ausgebildete Sozialpädagoge kümmert sich seit 2016 um die Belange und Sorgen von Männern. Denn die glaubten oft, mit Problemen aller Artwork allein klarkommen zu müssen. Matthias Becker ist Familienvater und bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Nürnberg in Teilzeit beschäftigt. Bis heute ist er damit deutschlandweit eher die Ausnahme. Nur wenige Kommunen leisten sich einen “Männerbeauftragten”. Dabei hat er festgestellt: Bei Sorgen vertrauen sich Männer lieber einem Mann an.

“Da merkt man schon, dass Männer dann das Gefühl haben: Hier werden Sie jetzt anders verstanden, anders ernst genommen. Die möchten auch nicht mit der Kollegin sprechen, sondern sie möchten zu mir oder dann direkt meine E-Mail haben.” Matthias Becker, Ansprechpartner für Männer, Gleichstellungsstelle Stadt Nürnberg

Beratung – ob persönlich oder am Telefon – gehört zu seinen Kernaufgaben. Die Bandbreite ist riesig: Ess-Störung, Lebenskrise, Burnout. Ein weiteres großes Theme: “Vater sein – Vater werden”. Auch der Umgang mit Trennung, Scheidung und Sorgerecht beschäftigt viele Ratsuchende.

Hilfsangebote für Männer vernetzen

Matthias Becker vernetzt sich mit Kollegen anderer Hilfseinrichtungen in der Area – zum Beispiel mit der Beratungsstelle “Häusliche Gewalt gegen Männer”. Rund 20% der Anzeigen bei häuslicher Gewalt werden von betroffenen Männern gestellt. Sie werden von ihren Partnerinnen psychisch drangsaliert, geschlagen, mit Messern verletzt. Viele trauen sich nicht, Hilfe zu holen oder wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Seit zwei Jahren bietet ihnen – und ihren Kindern – “Riposo” Schutz: eine Wohnung der Caritas, in der Männer Unterkunft, Hilfe und Beratung finden.

“Für Männer” bedeutet nicht “gegen Frauen”

Matthias Becker geht es bei seiner Arbeit um Gleichberechtigung und ein zeitgemäßes Rollenverständnis – und nicht darum, Männer und Frauen gegeneinander auszuspielen. Er ist sich sicher: Patriarchalische Strukturen benachteiligen auch Männer – denn sie kommen oft aus vorgelebten Rollenmustern nicht raus.

“Das ist das Wichtige; das gemeinsam zu betrachten und gemeinsam die Gleichstellung zu erreichen. Dass es nicht Gewinner und Verlierer gibt. Oder kein Gegeneinander oder ein besser oder schlechter, darum geht es nicht.” Matthias Becker, Ansprechpartner für Männer, Gleichstellungsstelle Stadt Nürnberg

Derzeit laufen in Nürnberg die Männerwochen – rund um den Internationalen Männertag am 19.11. Die Veranstaltungswochen bieten zum Beispiel Filme, Gottesdienste, Diskussionen und Workshops.

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