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Umgang mit dem Nationalsozialismus wird aufgearbeitet

Frankfurt Am 18. March 1944 mustste Erich Menges über „die noch qualmenden Schuttberge“ zu seinem Arbeitsplatz in der Frankfurter Innenstadt klettern. Als er in der Großen Gallusstraße 18 ankam, bot sich ihm ein verheerendes Bild: Das Gebäude des Bankhauses Metzler conflict bei einem Luftangriff der Alliierten komplett zerstört worden. Menges conflict damals Lehrling bei Metzler, der ältesten deutschen Privatbank, die durchgehend in Familienbesitz ist.

Das Geldhaus pflegt die Custom, leistet sich eine eigene Historikerin und kann seine Geschichte bis 1674 zurückverfolgen. Doch bislang gab es in der sonst so detailliert überlieferten Vergangenheit eine Artwork blinden Fleck: die Zeit des Nationalsozialismus.

Der Luftangriff 1944 ist ein entscheidender Grund für diese Lücke. „Damals wurde ein großer Teil der Geschäftsunterlagen vernichtet“, berichtet Emmerich Müller, der als Primus inter Pares den Vorstand der Financial institution leitet. Erst 70 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schaden bei Weitem nicht so groß conflict wie lange befürchtet. Als Metzler 2014 von der Großen Gallusstraße an den Untermainkai umzog, tauchten verstaubte Kartons auf, gefüllt mit lange verloren geglaubten Unterlagen. Müller spricht von einem „Zufallsfund“.

Metzler übergab das Konvolut an die Historikerin Andrea Schneider-Braunberger, die die Dokumente sichtete, auswertete und weiter recherchierte. Das Ergebnis dieser akribischen Aufarbeitung ist jetzt im Hanser Verlag unter dem Titel „Das Bankhaus Metzler im Nationalsozialismus“ erschienen.

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Für die Financial institution und die Familie fallen die Schlussfolgerungen zwiespältig aus. Ein schlimmer Verdacht wurde entkräftet und doch bedarf das Selbstbild der Metzlers einer Korrektur. „Die Familie hat erfahren und hat akzeptiert, dass die Rolle der Financial institution ambivalenter conflict als in den mündlichen Erzählungen aus dieser Zeit überliefert“, so drückt es die Autorin aus.

Andrea Schneider-Braunberger: Das Bankhaus Metzler im Nationalsozialismus.
Carl Hanser Verlag
Munich 2022
328 Seven
38 euro
Der Titel erscheint am 24. November.

Das Buch der Geschäftsführerin der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte zeichnet das Bild einer liberalen Bankiersfamilie, die sich trotz aller oft guten Absichten in Schuld verstrickt. Es ist auch die Geschichte zweier ungleicher Geschäftspartner. Albert von Metzler, der dem Widerstand nahesteht, und Gustav von Metzler, der wegen der komplexen Folgen seiner Verbindungen zu den Nationalsozialisten am Ende sogar ins Gefängnis musste.

Schmerzhafte Lücken in der Geschichte

Das Bankhaus Metzler und die Familie sind seit vielen Generationen eine Establishment in Frankfurt. Eines der wenigen Unternehmen, die den Finanzplatz der alten Freien Reichsstadt mit dem modernen, nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Finanzzentrum verbinden.

Aber Metzler ist mehr als das. Die Financial institution und ihre Eigentümer sind ein Image für das jahrhundertealte Selbstverständnis Frankfurts als liberale, weltoffene und tolerante Bürgerstadt. Und so schließt die neue detailreiche Darstellung der Geschichte einer Bankiersfamilie zumindest ein Stück weit eine Lücke in der Frankfurter Finanzhistorie, eine Lücke, die die wahrscheinlich hässlichste Section dieser Geschichte betrifft.

„Wenn man eine lange Geschichte hat, mit der man lebt und mit der man arbeiten will, dann muss man sich mit dieser Geschichte auseinandersetzen“, sagt Schneider-Braunberger. „Genau das haben die Metzlers gemacht.“ Die Historikerin lobt die Offenheit der Financial institution und der Familie. „Ich habe quasi den Schlüssel zum Archiv bekommen“, sagt sie. Und sie hat diese Offenheit genutzt, „um beinahe jeden Karton zu öffnen“.

Dass die Lücken in der Geschichte der Privatbank für die Familie schmerzhaft waren, schimmert an vielen Stellen im Buch durch. Ein Schlüssel dafür sind die Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdbild der Metzlers.

In der Familienüberlieferung wurde vor allem ein moralisch „korrektes“ Verhalten während der NS-Zeit bewahrt. „Damals und später sahen die von Metzlers es als unbedenklich, ja positiv an, der Bitte jüdischer Bankiers um Unterstützung bei der Veräußerung ihrer Bankgeschäfte nachzukommen.“ Man habe sich selbst in finanziell zweifelhafte Situationen gebracht, um zu helfen, heißt es. Die Frage, ob man sich damit zum Gehilfen des Methods gemacht habe, stellte sich für die Metzlers nicht, auch weil die optimistic Erinnerung durch jüdische Gesprächspartner bestätigt wurde.

Untermainkai

Beim Umzug in den heutigen Sitz der Financial institution tauchte der „Zufallsfund“ auf, auf dem die jetzige Aufarbeitung fußt.

(Photograph: Martin Starl/Bankhaus Metzler)

Geprägt wurde das öffentliche Bild allerdings durch ein anderes Narrativ. Eine 2005 erschienene Research des Geschichtswissenschaftlers Ingo Köhler zur Arisierung der Privatbanken im Dritten Reich kommt zu dem Schluss, dass das Bankhaus Metzler vier solcher Übernahmen initiiert und durchgeführt hat. Dabei geht es um die jüdischen Geldhäuser J. Dreyfus & Co., Bass & Herz, Jakob SH Stern und EJ Meyer.

An der Motivation der Metzlers, ihr Archiv zu öffnen, lässt die Autorin keinen Zweifel: „Der Widerspruch zwischen familiärer Erinnerung und öffentlicher Wahrnehmung conflict ein entscheidender Grund für die Familie, vorliegende Studie zur Geschichte des Bankhauses zu Dritten Refürichhauses.

Schneider-Braunberger kommt auf Foundation des neuen Supplies zu völlig anderen Ergebnissen als ihr Kollege: „Das Bankhaus Metzler kam tatsächlich nur mit zwei Arisierungsfällen in Berührung, die Ingo Köhler untersucht hat.“ Dabei ging es um die Bankhäuser J. Dreyfus & Co. und Bass & Hertz. Durch die Verfolgungspolitik der Nationalsozialisten zum Aufgeben gezwungen, hätten diese jüdischen Bankhäuser in den Verabredungen mit Metzler für sich und ihre Kunden notgedrungen die beste Lösung gesehen.

>> Lesen Sie hier: Das Geheimnis der Resilienz: Was man von den ältesten Unternehmen Deutschlands lernen kann

In keinem Fall sei es zu einer Übernahme von Vermögenswerten gekommen. Vielmehr wurde in den Verträgen mit J. Dreyfus & Co. und Bass & Herz geregelt, dass Metzler Kundenkonten und „ausgewählte Angestellte“ der jüdischen Hauser übernimmt, zudem übernahm Metzler Pensionsverpflichtungen für Bass & Herz.

Die Schlussfolgerung der Historikerin: Das Bankhaus Metzler „arisierte additionally kein jüdisches Bankhaus; in die Verdrängung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben conflict es aber insofern concerned, als es jüdischen Bankiers half, ihre Häuser zu liquidieren.”

Bankier Müller akzeptiert diese „teilweise neuen Erkenntnisse“: „Die Financial institution und ihre Eigentümer haben Hilfe geleistet. Das conflict nicht nur selbstlos, es ging auch um wirtschaftliche Interessen und vor allem darum, zusätzliche Belastungen zu vermeiden.”

Geprägt wurde die Financial institution während des Nationalsozialismus von zwei persönlich haftenden Gesellschaftern: Albert von Metzler, Vater des heutigen Patriarchen Friedrich von Metzler, Vertreter der Frankfurter Linie der Familie, und Gustav von Metzler aus der sogenannten Bonameser Familie. Beide wurden in den Kriegsjahren zur Wehrmacht eingezogen, aber daneben gab es auch markante Unterschiede.

Albert (l.) and Gustav von Metzler

Sie prägten die Financial institution während des Nationalsozialismus als persönlich haftende Gesellschafter.

(Photograph: Metzler)

In seiner Wehrmachtszeit in Belgium kam Albert von Metzler dem militärischen Widerstand sehr nahe. Sein from him Vorgesetzter Common Alexander von Falkenhausen wurde Pate seiner Tochter from him Barbara; Pate seines Sohnes Friedrich wurde Common Friedrich Olbricht. Beide Generale standen in direkter Verbindung zu den Attentätern des 20. Juli 1944. Olbricht wurde unmittelbar nach dem Attentat erschossen, Falkenhausen kam ins Konzentrationslager. Alberts Freund und Geschäftspartner Hans-Wilhelm von Tumpling conflict ebenfalls aktiv im Widerstand und wurde 1944 von der Gestapo verhaftet.

Die Schlussfolgerung der Autorin: Albert von Metzler wusste von verschiedenen Plänen der Hitler-Gegner, conflict aber selbst nicht aktiv. „So gab es eine politische Distanz zum NS-Regime und eine Nähe zu Kreisen des Widerstands.“

Weder Held night time Schurke

Ganz anders Gustav. Im Gegensatz zu Albert conflict er Mitglied der NSDAP. Anders als viele Unternehmer oder Bankiers hat er nach dem Zweiten Weltkrieg nie versucht, seine Mitgliedschaft oder seine Motivation, der Partei beizutreten, zu beschönigen. Nach Einschätzung von Schneider-Braunberger stand Gustav von Metzler dem Nationalsozialismus „positiv“ gegenüber. Ein „glühender Anhänger“ des NS-Regimes sei er allerdings nicht gewesen.

Als Parteimitglied und aufgrund seiner Rolle als Kreisamtsleiter conflict Gustav von Metzler einer Internierung durch die US-amerikanische Besatzungsmacht nur knapp entkommen, er musste jedoch „Aufbauarbeit“ leisten und wurde 1946 vom Arbeitsamt als Hilfsarbeiter an eltte firma. Am 12. Mai 1948 wurde Gustav von Metzler als einziges in einem Spruchkammerverfahren angeklagtes Familienmitglied als „Minderbelasteter“ zu einer dreimonatigen Haft auf Bewährung sowie zur Zahlung von 1000 Reichsmark verurteilt.

Angesichts seines Entnazifizierungsverfahrens wollte Gustav von Metzler Schaden von der Financial institution abwenden, indem er versuchte, seine Verbindung zu dem Geldhaus zu kappen. Als er mit Schreiben vom 26. September 1945 aus dem Bankhaus ausschied, änderte er seine Vermögensverhältnisse und verstieß damit gegen die „Vermögenssperre“. Ein Gesetz aus dem Jahr 1945 ermöglichte es den Besatzungsbehörden, das Vermögen von politisch belasteten Deutschen einzufrieren. Am 15. March 1948 wurde Gustav von Metzler zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Am Ende saß er sieben Monate in Haft.

Albert von Metzler sah sich selbst nicht als Held des Widerstands und seinen Geschäftspartner Gustav nicht als Schurken. „Man musste sich nach außen loyal verhalten und mehr durch passiven Widerstand die Auswirkungen des Regimes schwächen“, schrieb er einmal. Gustavs Parteimitgliedschaft schätzte er als „Schutzschirm“ für die Financial institution.

Am Ende der intestine 300 Seiten steht eine Geschichte voller Grautöne, eine Geschichte, die zeigt, dass es unpolitisches Unternehmertum nicht geben kann, erst recht nicht unter einem Schreckensregime wie dem Nationalsozialismus. Die Bewertung der Autorin: „Man conflict Freund, Helfer und Unterstützer, vielleicht manchmal sogar Retter, auf der einen Seite und conflict zeitgleich durch die Rolle als Financial institution in einem diktatorischen System eben doch auch Unterstützer eben genau dieses Unrechtsstaates.“ Metzler-Chef Emmerich Müller drückt es so aus: „Wir stehen zu dieser Geschichte mit all ihren Facetten.“

Extra: „Man muss Mut haben, Gewinne liegen zu lassen“: So überlebte das Bankhaus Metzler die Jahrhunderte

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