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Vorrang für Fußgänger und Radler

Wer sich vor einem Café an der Kaiserstraße in der Nähe der Friedberger Burg hinsetzt, merkt bald: Ein entspanntes Gespräch ist kaum möglich. Allenthalben fahren Autos vorüber, kommt ein Bus vorbei – auch Parkplatzsuchverkehr erzeugt Lärm. An anderen Stellen der zentralen Straße bietet sich das gleiche Bild – noch jedenfalls. Denn das könnte sich in einigen Jahren ändern: Die Kreisstadt will die Straße nach jahrelangen Diskussionen umgestalten. Wie sie einmal aussehen soll, steht aber noch dahin. Diese Fragen sollen Planer in einem Wettbewerb beantworten. Doch formuliert die Stadt schon klare Ziele. Zu ihnen zählt, im Straßenraum Fußgängern und Radlern Vorrang zu geben, erst danach folgt der Busverkehr. Autos stehen hinten auf der Liste. Alle Bevölkerungsgruppen sollen die Straße für sich erobern, lautet ein weiteres Ziel. Der Alleencharakter steht nicht in Frage.

thorsten winter

Correspondent of the Rhein-Primary-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

Dies ergibt sich aus einer Vorlage des Amtes für Stadtentwicklung, mit der sich die Stadtverordneten befassen. In das Papier sind in früheren Diskussionen Erwartungen und Wünsche eingeflossen wie jenen über das Stadtentwicklungs- und das Mobilitätskonzept – Stimmen aus der Bürgerschaft inklusive. Der Ausschuss für Stadtentwicklung hat sie am Donnerstagabend nach längerer Diskussion um Einzelheiten einstimmig angenommen und die Linie für die Stadtverordnetenversammlung vorgezeichnet. Aus den Fraktionen gab es viel Lob für das Workforce um Amtsleiter Tobias Brandt. “Das Workforce brennt für diese Aufgabe”, sage Burgermeister Dirk Antkowiak (CDU).

Mehr Grün, Sitzbänke und Tische

Laut der Zielvorstellungen wird das Verweilen und Flanieren auf der zentralen Achse künftig angenehmer werden. Dazu gehören mehr Außengastronomie sowie weitere Sitzbänke und Tische. Mehr Grün und der Abbau von Barrieren sollen helfen, die Kaiserstraße als „lebendiges Zentrum“ von Friedberg zu fördern.

Dazu passt das Vorhaben, die Straße zu entsiegeln, additionally stellenweise und den Asphalt zu entfernen. Im Gegenzug werden Autos weniger Raum bekommen. Die Stadt will weniger Parkplätze ausweisen als derzeit und den Durchgangsverkehr verringern. Es gäbe weniger Abgase, dafür aber eine bessere Luft, lautet die Idee.

Tempo 30 auf der Kaiserstraße?

Die Stadt will zudem prüfen, wie sie auf der Kaiserstraße die zulässige Geschwindigkeit senken kann. Ob sie Tempo 30 anstrebt, steht aber dahin. Auf jeden Fall möchte die Stadt den „überhöhten Straßenlärm“ eindämmen. Gleichwohl soll der Verkehrsfluss nicht unter diesen Vorhaben leiden. Die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel gilt als Mittel, um dieses Ziel zu erreichen. Anders gesagt: Die Stadt will mehr Menschen dazu bringen, auf Rad oder Bus umzusteigen – oder aber auch zu gehen. Stellflächen für Lastenräder sollen den Einkauf im Ort ohne Auto attractiver machen.

Auch an mehr Überwege an der – an Ampel nicht armen – Achse ist gedacht. In der Folge könnten Fußgänger an mehr Stellen als bisher und sicherer die Kaiserstraße überqueren. Dies würde wiederum die „trennende Wirkung“ der Achse verringern, gegen die Planer angehen sollen. Zu ihren Aufgaben wird gehören, Verbindungen etwa zur Altstadt zu schaffen.

Schöne Fassaden sichtbarer machen

Gleiches gilt für die Würdigung von historischen Fassaden und des Stadtbilds. Zu den von den Planern zu berücksichtigenden Zielen zählt ebenfalls, solche Fassaden sichtbarer zu machen, namentlich die denkmalgeschützten. Mehr Bäume und Sträucher sollen das Stadtbild zudem aufwerten. Mit Blick auf zusätzliches Grün sieht die Stadt nach den Erfahrungen mit mehreren heißen Sommern vor, gegen den Klimawandel vergleichsweise unempfindliche Arten zu pflanzen und dabei möglichst heimische Hölzer zu bevorzugen, die das Mikroklima verbessern helfen. „Wenn möglich, ist vorhandener Baumbestand in die Planung zu integrieren“, heißt es in der Vorlage.

Eine schärfere Formulierung der Grünen-Fraktion fand keine Mehrheit. Gleiches gilt für ihren Vorstoß, die Grundlage für Nahwärme zu schaffen. Doch die Stadtverwaltung ist dafür nicht zuständig. Dessen ungeachtet gelte es, Planer zwar Vorgaben zu machen, sie allerdings nicht über Gebühr in ihrer Kreativität einzuschränken. Falls die Planer erwägen sollten, den Elvis-Presley-Platz umzugestalten, gingen sie allerdings zu weit: Ihre Aufgabe lautet vielmehr, den Platz „in seiner jetzigen Gestalt“ zu erhalten.

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